“Ich kann das!”

Gründer zeichnen sich durch Optimismus, Resilienz und Selbstwirksamkeitsüberzeugung aus. Alle Werte sind messbar und trainierbar. Warum ist das so?


Erfolgreiche Gründer*innen haben starke persönliche Ressourcen: Sie sind besonders optimistisch, resilient und gleichzeitig von ihrer eigenen Wirksamkeit überzeugt. Dieses unternehmerische Kapital lässt sich bei jedem Menschen messen – und trainieren.

Rund jede oder jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland ist selbstständig.[1] Krisen wie die aktuelle Corona-Pandemie treffen Selbstständige dabei besonders hart – denn sie tragen das volle Risiko für ihr unternehmerisches Handeln. Aber auch schon vor Covid-19 galt: Wer in der heutigen volatilen Welt eine eigene Geschäftsidee verwirklichen möchte, benötigt ein psychologisches "Kapital", von dem er oder sie in schwierigen Phasen zehren kann.

Gerade Selbstständige treffen oft riskante Entscheidungen, arbeiten in einem komplexen Geschäftsumfeld und müssen mit einer unsicheren Zukunft umgehen. Gleichzeitig verfolgen sie im besten Fall konsequent ihre Vision und motivieren auch ihre eigenen Mitarbeiter*innen. Wie schaffen erfolgreiche Gründer das alles gleichzeitig? Die Antwort: Mithilfe ihres unternehmerischen Kapitals, das sie wie einen imaginären “Ressourcen-Rucksack” auf den Schultern tragen. Dieses mentale Kapital ist messbar – und trainierbar. Eine Analyse bietet dabei einen wichtigen Ausgangspunkt, um vorhandene Ressourcen sichtbar zu machen und auszubauen.

Der Einfluss des unternehmerischen Kapitals auf den Unternehmenserfolg kann erklären, warum relativ wenig Menschen in Deutschland gründen, obwohl sich laut des Global Entrepreneurship Monitor heute viele als qualifiziert genug einschätzen und Chancen sehen, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Für die Unterstützung und Förderung von Innovationen und der Gründerszene ist deshalb auch die Entwicklung des unternehmerischen Kapitals eine wichtige Stellschraube.

 

Welche Persönlichkeitsmerkmale umfasst das unternehmerische Kapital?

Das unternehmerische Kapital bildet das psychologische Grundgerüst für ein erfolgreiches und zufriedenes Arbeitsleben. Es basiert auf dem Konzept des “Psychological Capital”, das in der psychologischen Forschung immer stärker in den Fokus rückt und umfasst bestimmte kognitive Ressourcen, aus denen eine Person schöpfen kann, um ihr eigenes Wohlbefinden zu beeinflussen.

Diese Ressourcen sind stabiler als Emotionen oder Stimmungen aber gleichzeitig formbar und offen für Entwicklung. Eine hohe Ausprägung der zusammenwirkenden Ressourcen steht dabei im Zusammenhang mit höherer Leistung, beruflicher Zufriedenheit und psychologischem Wohlbefinden. Umgekehrt zeigen Personen mit einem schwach ausgeprägten psychologischen Kapital vermehrt zynisches Verhalten, beruflichen Stress und Ängste.

Die aktuelle Forschung zeigt, dass erfolgreiche Gründer*innen besonders von ihrer eigenen Wirksamkeit überzeugt, resilient sowie optimistisch sind – und zwar signifikant höher als ihre eigenen Topmanager. Diese drei Persönlichkeitsmerkmale bilden das unternehmerische Kapitals einer jeden Person und haben in ihrem Zusammenspiel einen wesentlichen Einfluss auf den beruflichen Erfolg und die Arbeitszufriedenheit:

 

Faktor 1: Selbstwirksamkeitsüberzeugung

Ein sperriges Wort mit starker Wirkung. Gemeint ist das Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten, um Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeitsüberzeugung setzen sich anspruchsvolle Ziele und können ihre eigene Motivation steuern. Auch in schwierigen Situationen stecken sie den Kopf nicht in den imaginären Sand, sondern versuchen, diese so gut wie möglich zu bewältigen. Studien zeigen dabei, dass das Meistern von herausfordernden Erfahrungen und soziale Überzeugungskraft die Entwicklung der eigenen Selbstwirksamkeitsüberzeugung fördern.

 
Erfolgreiche Gründer*innen sind von ihrer eigenen Wirksamkeit überzeugt.

 

Wir wissen aus unserem Alltag, dass die tatsächliche Kompetenz und das Selbstbewusstsein einer Person nicht immer übereinstimmen. So gibt es genug Menschen, die sich selbst weniger zutrauen, als sie eigentlich können – und vice versa. Für Gründer genauso wie für Angestellte ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aber immer eine wichtige Ressource. Es hilft nicht nur in unruhigen Zeiten, sondern auch bei der Führung eines Teams oder der Präsentation eigener Ideen.

Faktor 2: Persönliche Resilienz

Stellen wir uns folgende Situation vor: Eine Pandemie verbreitet sich weltweit und die Investoren springen ab. Ein Worst-Case-Szenario. Unerwartete Ereignisse gehören jedoch nicht nur in Pandemie-Zeiten zum Aufbau eines Unternehmens. Eine Gründung ist in der Regel immer mit einem hohen Maß an Risiko und Ungewissheit verbunden – Scheitern und Entscheidungen mit schlechtem Ausgang gehören oft dazu. Außerdem steigt die Verantwortung, je größer ein Start-up wird. Wie reagieren erfolgreiche Gründer auf solche Herausforderungen?

 

Erfolgreiche Gründer*innen zeigen eine hohe Resilienz und gehen gelassen mit unerwarteten Ereignissen um.

Erfolgreiche Gründer*innen zeigen eine ausgeprägte Resilienz: Sie akzeptieren die Realität so wie sie ist, neigen zum Improvisieren, gehen Risiken ein und begegnen Herausforderungen mit Offenheit. Wer resilient ist, steht nach Rückschlägen und Misserfolgen schneller wieder auf, bewältigt Konflikte besser und geht gelassener mit Ungewissheiten um. Stolpersteine? Werfen resiliente Menschen deutlich seltener aus der Bahn. Und wenn sie doch scheitern, dann kommen sie schnell wieder auf die Beine und erholen sich oft auf einer noch höheren Ebene ihres persönlichen Selbst. Menschen mit hoher Resilienz fokussieren sich dabei entweder auf ihre verfügbaren Mittel, auf die möglichen Risiken oder den Prozess selbst und zielen mit ihrer Strategie darauf ab, ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

 

Faktor 3: Optimistische Haltung

Erfolgreiche Gründer*innen zeigen ein ausgeprägtes Grundvertrauen in eine positive Zukunft. Sie sehen und ergreifen Chancen, bevor andere dies tun und betreten damit meist “fehleranfälliges” Neuland. Optimisten neigen aber dazu, sich selbst Fehler leichter zu verzeihen und auch bei großen Unsicherheiten Chancen zu sehen. Statt sich von einem möglichen Misserfolg einschüchtern zu lassen, glauben sie an das Gelingen ihrer Pläne.

 

Looking on the Bright Side – erfolgreiche Gründer*innen sind besonders optimistisch.

 

Wie genau “tickt” dabei ein Optimist oder eine Optimistin? Die Forschung zeigt, dass sie positive Ereignisse mit persönlichen und dauerhaften Ursachen erklären. Im Gegensatz dazu, ordnen sie negative Ereignisse externen, temporären und situationsspezifischen Ursachen zu. Die Welt wird dabei als ein Ort wahrgenommen, an dem einem regelmäßig Gutes widerfährt.

 

Wie lässt sich unternehmerisches Kapital messen?

Zortify hat einen wissenschaftlich fundierten Test entwickelt, der mithilfe von künstlicher Intelligenz das unternehmerische Kapital einer Person auswertet. Der Algorithmus analysiert dabei die Persönlichkeitsmerkmale anhand von Antworten zu Selbsteinschätzungsfragen und frei formulierten Texten.

Das Besondere an der AI-basierten Textanalyse: Diese bezieht nicht-manipulierbare Ergebnisse in die Auswertung ein und stellt so eine hohe Validität der Testergebnisse sicher. Während die Subjektivität von Gutachter*innen nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, ermöglicht der Einsatz der AI-Technologie objektive und präzise Ergebnisse, um die eigenen Potenziale zu erkennen und nutzbar zu machen.

 

"Selbsterkenntnis ist der wichtigste Grundstein für emotionale Intelligenz." Daniel Goleman

 

Was bringt die Analyse?

Das Wissen über die individuellen Ausprägungen des unternehmerischen Kapitals bietet eine wichtige Reflexionsgrundlage und erweitert die Handlungsoptionen zur angeleiteten Persönlichkeitsentwicklung. Mit den Testergebnissen lassen sich in einem Coaching klar umrissene Themen erarbeiten. Die bisherige Forschung konnte zeigen, dass schon ein- bis dreistündige, hoch fokussierte Mikrointerventionen nicht nur zu einer signifikanten Verbesserung der eigenen mentalen Ressourcen, sondern auch zur Leistungsteigerung am eigenen Arbeitsplatz führt.

Nicht nur für Selbstständige und Gründer ist die Investition in ihr unternehmerisches Kapital wichtig. Die Analyse bietet eine gute Grundlage für Weiterbildungsangebote oder die Entscheidung über finanzielle Förderungen. So können etwa Studenten mit einem hohen unternehmerischen Kapital und einem starken Interesse am Unternehmertum gefiltert und mit einem maßgeschneiderten Bildungsprogramm gefördert werden.

Auch die Personalentwicklung kann durch die Förderung des unternehmerischen Kapitals Führungskräfte und Mitarbeiter*innen unterstützen, widerstandsfähiger zu werden, optimistischer in die Zukunft zu blicken und selbstbewusst nach alternativen Lösungsansätzen in einer volatilen Arbeitswelt zu suchen. Ein transparenter, unterstützender Führungsstil hat nämlich Einfluss auf das psychologische Kapital von Mitarbeitern – und dies wiederum entscheidet mit, ob Mitarbeiter ein Unternehmen schnell wieder verlassen oder sich langfristig motiviert einbringen.

Ob Gründer*in, Führungskraft oder Mitarbeiter*in – das eigene unternehmerische Kapital zu erkennen und zu fördern, hilft Menschen bei dem Erreichen der eigenen Ziele und gibt ihnen die Möglichkeit, sich leichter anzupassen, Schwierigkeiten zu bewältigen und ihr mentales Wohlbefinden zu stärken.

 

[1] Quelle: Statistisches Bundesamt (Mikrozensus 2018)

Similar posts

Melde dich zum Blog an!

Erfahre als erstes von neuen Ergebnissen aus der Forschungen sowie innovativen Produkten rund um das Thema K.I. und Machine Learning im Bereich Personalentwicklung, Recruiting und individueller Förderung!